Bürgerantrag zur Nahversorgung in Lauben

Information aus der Sitzung des Gemeinderates zur Nahversorgung in Lauben

Rathaus

 

In der Sitzung des Gemeinderates vom 19. Mai wurde der Antrag aus der Bürgerschaft zur  Nahversorgung im Ortsteil Lauben behandelt und in anschließender nichtöffentlicher Sitzung die  Möglichkeiten zur Fortführung des Edeka-Marktes Stumpf durch die Gemeinde sowie alternative  Lösungsansätze ausführlich diskutiert.

Der Antrag zum Fortbestand der Nahversorgung in Lauben, den knapp 300 Bürger*Innen der  Gemeinde unterzeichnet hatten, wurde dabei vom Gremium einstimmig als Bürgerantrag gemäß Art.  18b GO zugelassen. Damit ist der Antrag durch den Gemeinderat nicht nur zur Kenntnis genommen,  sondern gleichzeitig die Verpflichtung einhergehend, den Inhalt des Antrags zu behandeln und ggf.  darüber Beschluss zu fassen. Dies unterstreicht, dass dem Gemeinderat die Notwendigkeit einer  langfristigen Sicherung der Nahversorgung für den Ortsteil Lauben und sich dieser seiner  Verantwortung hierbei bewusst ist.

Maßgeblich ist in diesem Kontext die langfristige Sicherstellung einer funktionierenden  Nahversorgungsstruktur. Im Zusammenhang mit der geplanten Ansiedlung eines Vollsortiment-Nahversorgungsmarktes im Ortsteil Heising hat sich der Gemeinderat bereits in der Vergangenheit  klar positioniert, die bestehende Dorfladen Heising GmbH, bei der die Gemeinde alleinige  Gesellschafterin ist, mit der Eröffnung dieses Marktes abzuwickeln und den Dorfladen in Heising zu  schließen, da dann ein alternatives Versorgungsangebot in Heising besteht. Hierdurch soll nicht nur  die Nahversorgung langfristig gesichert sondern auch der Gemeindehaushalt entlastet werden, da  mit dem Betrieb des Dorfladens in Heising derzeit eine zusätzliche Belastung von bis zu 50.000€ für  die Gemeinde Lauben entsteht.

Aufgrund der räumlichen Nähe zwischen Lauben und Heising und der deutlich höheren Zugkraft eines  Vollsortimenters gegenüber eines kleineren Dorfladens ist man sich dabei innerhalb des  Gemeinderates einig – und dies wurde auch durch externe Personen aus dem Bereich der  Nahversorgung so beurteilt – dass mit Eröffnung des Vollsortimenters ein zweiter Nahversorger in der  Größe des Edeka-Marktes in Lauben oder Dorfladens in Heising kaum „überlebensfähig“ sein wird.

Wie bereits in der öffentlichen Sitzung ausgeführt ist auch in einer Übergangszeit bis zur Eröffnung  des neuen Marktes davon auszugehen, dass der Laden nur defizitär weiterbetrieben werden kann.  Der Gemeinderat wäre dafür auch grundsätzlich bereit, allerdings muss sich das Defizit in einem  gewissen Rahmen bewegen, da ein zusätzliches Defizit in der Größenordnung des Dorfladens in  Heising finanziell nicht darstellbar ist. Ertragsbringende Geschäftsbereiche wie das Cateringangebot  oder ein umfangreiches Mittagstischangebot sind in einer anderen Unternehmensform als der  bisherigen kaum darstellbar. Dies war maßgeblich aufgrund des persönlichen Einsatzes von Frau  Stumpf als Inhaberin möglich, bei Aufrechnung des Personalaufwandes in einem  Angestelltenverhältnis schmälert sich die Gewinnmarge signifikant. Zudem übersteigt gerade der  Cateringbetrieb die Kernaufgabe der Nahversorgung, die dem erweiterten Wirkungskreis der  Gemeinde zugeschrieben werden kann, bei Weitem.

Zudem kann es in einer unternehmensgeführten Geschäftsstruktur nicht verantwortet werden, den  Markt lediglich mit einer Person im Laden zu betreiben, es wäre also von einem deutlichen Zuwachs  an Personalkosten und ggf. dennoch einhergehend Reduzierung der Ladenöffnungszeiten  auszugehen.

Es wurden trotz dieser negativen Vorzeichen Überlegungen angestellt, ob und wie der Edeka-Markt  durch die Gemeinde fortgeführt werden könnte. Dazu wurden auch schon in der Vergangenheit  Gespräche mit der Steuer- und Unternehmensberatung ATG geführt hinsichtlich Integration in die  bestehende Dorfladen Heising GmbH oder Gründung einer zusätzlichen GmbH. Im Ergebnis wurde

die Einbindung in die Dorfladen Heising GmbH als grundsätzlich geeignetere Variante angesehen.  Gleichzeitig bedeutet dies, dass die Strukturen der Dorfladen GmbH und des Edeka-Marktes Stumpf  zusammengeführt werden müssten, dies müsste durch externe Unternehmens- oder Steuerberater  begleitet und durchgeführt werden und wäre mit entsprechenden Kosten verbunden, die sich schnell  im fünfstelligen Eurobereich bewegen dürften. 

Ebenfalls ist mit der bestehenden Geschäftsführersituation die Führung zweier Läden nicht  darstellbar, da Herr Reininger als Hauptamtsleiter der Gemeinde diese Tätigkeit im Rahmen seiner  gemeindlichen Tätigkeit ausübt und bei einem höheren als dem derzeitigen Zeitansatz die Arbeit für  die Gemeinde maßgeblich beeinträchtigt wäre, was nicht vertreten werden kann.

Da sich der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 24. Februar gegen die Fortführung des Edeka-Marktes  ausgesprochen hatte wurden zunächst auch keine weiteren Anstrengungen unternommen um diese  Themen zu klären. Die nun sehr kurze Zeitschiene – Antrag zur Aufrechterhaltung einer  Nahversorgungsstruktur am 7. Mai, Beschlussfassung am 19. Mai und anstehende Schließung des  bestehenden Marktes zum 30. Juni – lassen aus sich der Gemeinde einen nahtlosen Übergang des  Ladens nicht zu. Es müsste eine Schließung mindestens weniger Wochen geben bis alle Details, wie  die tatsächlich anfallenden Kosten für die Übernahme, rechtliche Rahmenbedingungen geklärt und  somit fundiert bewertet werden können und die Vorbereitungen zur Fortführung des  Geschäftsbetriebes abgeschlossen sind.

 Aber nur mit einer zügigen Übernahme können wesentliche Vorteile der Aufrechterhaltung  bestehender Strukturen, bspw. die Ablösung des Warenbestandes wie auch die angedachte  Übernahme des Personals, sichergestellt werden.

Zusätzlich ist zu bedenken, dass bei einem zu großen Defizit der übernommene Markt erneut und  endgültig geschlossen werden müsste. Dies verursacht aber wiederrum Folgekosten.

Aufgrund der Gesamtheit dieser Umstände hat sich der Gemeinderat nach intensiven Diskussionen  letztlich geschlossen und einstimmig dagegen ausgesprochen den Edeka-Markt Stumpf zu  übernehmen und weiter zu betreiben.

Wie der Antragstellung zu entnehmen ist, ist gerade für mobilitätseingeschränkte Personen eine  wohnortnahe Versorgungsstruktur wichtig. Um diesen Personen aus dem Ortsteil Lauben auch  kurzfristig eine Versorgungssicherheit nach der Schließung des Marktes bieten zu können werden  aktuell Vorbereitungen getroffen, um durch Einkaufsfahrten den Wegfall der örtlichen Versorgung zu  kompensieren.

Parallel werden aktiv Gespräche geführt und Varianten geprüft, wie eine alternative aber langfristige  Versorgungsstruktur im Ortsteil Lauben gestaltet und realisiert werden kann, bspw. durch kontaktlose  Ladengeschäfte oder ähnliches – dies wird allerdings nicht unmittelbar nach der Schließung des  Edeka-Marktes möglich sein und es wird somit zu einer gewissen Lücke in der Nahversorgung in  Lauben kommen.

 

Mathias Pfuhl
1. Bürgermeister

 

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